Ganz Europa auf der Leinwand – der Kurzfilmwettbewerb steht

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Knapp zwei Monate bevor das Filmfestivals Münster wieder die münsterschen Filmfreunde im Schloßtheater versammelt, nimmt dessen Herzstück, der Kurzfilmwettbewerb, Gestalt an. Die Sichtungskommission des Festivals hat die Sichtung der 1.300 eingesandten Kurzfilme jetzt beendet und stellt das Programm zusammen.

Erstmals in diesem Jahr wurde der Wettbewerb vom deutschsprachigen Raum auf ganz Europa ausgeweitet. Um im Jahr der Europawahl ein Zeichen zu setzen, waren Filmemacher aus allen europäischen Ländern eingeladen, ihre Filme für Münster einzureichen. Und so durfte die Auswahlkommission mehr als doppelt so viele Kurzfilme wie noch beim letzten Festival 2017 unter die Lupe nehmen.

Ein großer Teil von ihnen kam dann allerdings auch in diesem Jahr wieder aus dem deutschsprachigen Raum, gefolgt von Filmen aus Italien und Großbritannien. Insgesamt wurden Kurzfilme aus 35 europäischen Staaten eingereicht.

Auch wenn alle Filmgenres vertreten sein werden, dürfen sich die Festivalgäste vor allem auf Kurzspielfilme, Animationen und Dokus freuen. Ob Realfilm oder Animiertes – es überwiegen in dieser Festivalausgabe Geschichten, die um Familie, Beziehungen und Privates kreisen. Mit aktuellen politischen Entwicklungen setzen sich die Filme eher schlaglichtartig auseinander.

Viele Filmemacher werden in diesem Jahr erstmals ihren Film in Münster präsentieren, aber auch zahlreiche „Wiederholungstäter“, die der Kunstform Kurzfilm verbunden bleiben, haben sich für das Filmfestival Münster beworben. Ein Altmeister des deutschen Animationsfilms, der Ludwigsburger Medienprofessor Jochen Kuhn, wird auch in diesem Jahr mit „Gerichtszeichner“ einen Film in seiner prägnanten Handschrift ins Rennen schicken, sind sich die Festivalmacher einig.

„Bei der Auswahl der Filme haben wir vor allem nach neuen spannenden Ideen gesucht. Wir wollen Filme zeigen, die den Zuschauer verblüffen und überraschen“, so Carsten Happe. Und da ist er mit Risna Olthuis, die gemeinsam mit ihm das Festival leitet, auch in diesem Jahr wieder fündig geworden.

Mit „Red Hands“ von Francesco Filippi ist ein überbordender Animationsfilm aus Italien im Rennen, der zwischen mehreren Animationsstilen wechselt – und dabei immer die passende Ausdrucksform für seine beiden Protagonisten findet, die gemeinsam vor häuslicher Gewalt fliehen. Der niederländische Essayfilm „Above Us Only Sky“ von Arthur Kleinjan schlägt einen weiten Bogen von der kommunistischen Tschechoslowakei über John Lennon bis zum Vulkanausbruch des Eyjafjallajökull, bleibt aber stets eine sehr persönliche Geschichte. „Penthesilea“ von Maximilian Villwock hingegen erzählt eine fragile Love Story zweier gesellschaftlicher Außenseiter in neongetränkten Bildern voll berückender Schönheit.

Die Zuschauer dürfen gespannt sein auf die 34 kurzen Filme aus 14 Ländern, die in sechs Programmblöcken vom 18. bis 22. September im Schloßtheater zu sehen sein werden. Und ihre Meinung ist gefragt, denn neben der Expertenjury werden auch wieder die Zuschauer ihre Kurzfilm-Favoriten küren.

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"Above Us Only Sky" von Arthur Kleinjan