Filmfestival Münster #17 – Die Preisträger

Veröffentlicht am

Nach fünf Festivaltagen und –nächten im Schloßtheater, ausverkauften Vorstellungen und begeisterten Zuschauern, die sich mit viel Spaß und Engagement an den Filmbewertungen der Publikumspreise beteiligten, mit knapp achtzig Kurz- und Langfilmen in 45 Vorstellungen, intensiven Diskussionen und spannenden Begegnungen geht das Filmfestival Münster #17 zu Ende. Zum Abschluss wurden die Preisträger der Wettbewerbe geehrt.

„Die außerordentlich gute Publikumsresonanz und die ganz besonders herzliche Atmosphäre im Schloßtheater, die große Nähe, die zwischen Filmemachern und ihren Zuschauern möglich war, hat uns bestätigt, dass der Umzug des Festivals zurück ins Schloßtheater die richtige Entscheidung war“, so Festivalleiter Carsten Happe.
Das Festival, das erstmals seit 2003 wieder im Schloßtheater stattfand, hat sich rasant in der „alten neuen Heimat“ eingelebt und fand große Resonanz beim Münsteraner Publikum. Rund 60 Filmschaffende, Jurymitglieder, Teilnehmer am Symposium und Filmemacher, die ihren Film dem Publikum persönlich vorstellten, fühlten sich beim Festival sichtlich gut aufgehoben.

Der Preis für die Beste Regie im Europäischen Spielfilmwettbewerb, dotiert mit 5.000 Euro geht an den isländischen Filmemacher Guðmundur Arnar Guðmundsson für sein Spielfilmdebüt „Heartstone“. Angesiedelt in einem abgelegenen Fischerdorf an der rauen Atlantikküste, in einem flirrenden isländischen Sommer, entwickelt der Film ein unter die Haut gehendes Coming-of-Age-Drama. „Heartstone“ ist sein erster Spielfilm, mit dem der 35jährige bereits den Queer Lion bei den Filmfestspielen in Venedig sowie zahlreiche weitere Festivalpreise gewann.
„Bis in die kleinste Nebenrolle schafft es der Regisseur Guðmundur Arnar Guðmundsson alle Figuren seines Films zum Strahlen zu bringen. Mit großer Empathie führt er seine jungen Schauspieler zu Höchstleistungen. Seine persönliche und unsentimentale Herangehensweise an das spröde Leben in einem einsamen isländischen Fischerdorf und seine sichere Regieführung machen jede Sekunde des 129 Minuten langen Films sehenswert“, so die Begründung der Jury, bestehend aus Ada Condeescu, Micah Magee und Markus Knüfken.

ff17_ew_heartstone003.jpg
„Heartstone“ von Guðmundur Arnar Guðmundsson (Foto: Salzgeber)

Im Kurzfilmwettbewerb mit Beiträgen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz wurden Preise mit einer Gesamtdotierung von 4.000 Euro vergeben. Der Große Preis der Filmwerkstatt, dotiert mit 3.000 Euro, geht an „Ruah“ das Kurzfilmdebüt des Schweizer Schauspielers und Regisseurs Flurin Giger. Der 18-minütige Kurzfilm entwirft ein apokalyptisches Szenario, ein erbarmungsloses Endzeitdrama in den verschneiten Alpen und überzeugte die Jury „durch eine innovative Verwebung mehrerer Erzählstränge, die erst zum Ende des Films auf unvorhersehbare Weise zusammengeführt werden….Dieses Debüt beweist ausdrücklich bereits eine eigene Formensprache gepaart mit einer beeindruckenden erzählerischen Vision“, so die Jurymitglieder Kristina Scepanski, Matthias Kutschmann und Wanja Mues.
Eine lobende Erwähnung ging an „Kaputt“ von Volker Schlecht und Alexander Lahl. Dem Kurzfilm gelingt auf Basis von Erinnerungen ehemaliger Inhaftierter des berüchtigten DDR-Frauenzuchthauses Burg Hoheneck „auf herausragende Weise, eine tragische Episode der jüngeren deutschen Vergangenheit in animierten Bildern darzustellen“.
Mit dem Publikumspreis im Kurzfilmwettbewerb, gestiftet von den Münsterschen Filmtheater-Betrieben und dotiert mit 1.000 Euro, wurde „Obst & Gemüse“ von Duc Ngo Ngoc ausgezeichnet. Die warmherzige Culture-Clash-Komödie lässt in einem Berliner Gemüseladen eine verblüffende deutsch-vietnamesische Freundschaft aufblühen. Der gebürtige Vietnamese Duc Ngo Ngoc lebt in Berlin und schildert mit seinem Film ein Stück eigene Lebensgeschichte. Seit 2015 studiert er Filmregie an der Filmuniversität Babelsberg.

Der Publikumspreis in der Sektion Westfalen Connection, gestiftet von der Westfalen Initiative und dotiert mit 500 Euro, ging an den Dokumentarfilm „Werner“ von Rainer Bärensprung aus Bielefeld, ein skurriles Biopic über einen Mann, der seinen Weg geht, trotz oder gerade wegen aller Widrigkeiten.

Erst in zwei Jahren findet wieder das Filmfestival Münster im Schloßtheater statt, aber bereits im September nächsten Jahres wird das ZEBRA Poetry Film Festival wieder die Festivalbesucher ins Schloßtheater locken.